Ein Gerichtssaal als Klassenzimmer: Im Rahmen des VBL-Unterrichts verfolgte die 1BK2T am 20.03.2026 gemeinsam mit Frau Kilic und Herrn Kienle drei echte Güteverhandlungen im Arbeitsgericht Karlsruhe. Arbeitsrecht konnte für einige Stunden in der realen Welt nachverfolgt werden.

Der erste Fall startete direkt mit einer Enttäuschung: Ein Arbeitgeber zahlt zwei Monatsgehälter eines Angestellten nicht und erscheint auch nicht zur Verhandlung. Lediglich die Klägerseite und die Richterin erscheinen. Nach 15-minütiger Wartezeit fällt das Versäumnisurteil über rund 2.700 € plus Zinsen.

Der zweite Fall wird persönlicher. Jahrelang hohe Fehlzeiten des Arbeitnehmers führen zu einer Kündigung. Vor Gericht prallen Erwartungen aufeinander: Der Kläger (Arbeitnehmer) fordert mindestens 25.000 € Abfindung, der Arbeitgeber bleibt deutlich darunter. Die Richterin versucht zu vermitteln, führt Berechnungen durch und macht Vorschläge. Eine Einigung kommt jedoch nicht zustande. Die Verhandlung wird vertagt.

Der dritte Fall zeigt, wie schnell alles kippen kann: Eine Dualstudentin verliert ihren Prüfungsanspruch und kurze Zeit später auch das Ausbildungsverhältnis. Der Arbeitgeber begründet die Kündigung mit unprofessionellen WhatsApp-Nachrichten und einer nicht gemeldeten Nebentätigkeit bei einem Konkurrenzunternehmen. Streit um Kündigung, Vorwürfe und ein nie zustande gekommener Ausbildungsvertrag stehen im Raum. Am Ende hilft ein Vergleich: Die beiden Parteien einigen sich auf eine ordentliche Kündigung, Gehalt für die nächsten zwei Monate und ein gutes qualifiziertes Arbeitszeugnis.

Drei Verhandlungen, die zeigen: Arbeitsrecht ist mehr als Paragrafen. Es geht um Geld, Zukunft und echte Lebensgeschichten. Gleichzeitig wurde der Besuch für die Klasse zu einem lehrreichen Ausflug. Zwischen den Verhandlungen nahm sich die Richterin Zeit für Fragen, erklärte Hintergründe und gab spannende Einblicke in die Praxis.